Montag, 7. November 2005

Servus

Manchmal hasse ich es Recht zu haben. Was ich hier über die Fernbeziehung im Allgemeinen und meine Fern-Nichtbeziehung im Besonderen geschrieben habe, stimmt.

Weil der Sex, aber auch die Chemie und sowieso der ganze Rest nicht stimmen, sollten wir uns vielleicht besser nicht treffen, aber reden. Weil heute Abend dazu keine Zeit ist, sollten wir das vielleicht auf morgen verschieben. Nun bin ich ja nicht anhänglich und habe dankend auf das Gespräch verzichtet.

Das kostet gerade einmal drei SMS und die anteilige Hotelübernachtung. Da hat jemand ganz günstig sein Leben aufgeräumt - und meins gleich mit.

Donnerstag, 3. November 2005

Or(i)gelnell

Während der Deutsche an sich bei der Orgelmusik nicht über Bachens Toccata und Fuge hinauskommt, darf der Brite wöchentlich aus- und inländischen Kino- und Theaterorgeln lauschen. Eine halbe Stunde spielt Nigel Ogden alte und nicht so alte Platten von Menschen, die Orgel spielen. Vom Tiger Rag bis zum Grand Marche aus Aida ging's vorgestern.

Bis zur jeweils neuen Sendung zum Nachhören über seine Sendungsseite bei der BBC. So hab' ich mir ein Nischenprogramm vorgestellt!

Mittwoch, 2. November 2005

Ich mache Spaß.

Mag daran liegen, dass ich im tiefsten Herzenswinkel verliebt bin. Ich werd's kaum zugeben, aber Annemie sagt so. Sie weiß so was besser und länger. Annemie ist ja auch älter. Also verliebt. Leider ist es aussichtslos, das Verliebtsein. Nicht jedes, sondern meines, das verdrängte. Die Aussicht wäre nämlich 1.193 Kilometer lang.

Lang genug für eine Fernbeziehung, aber zu lang für mich. Für ihn wohl auch. Das wären immerhin 596,5 Kilometer für jeden von uns, auf denen wir allfälliger Konkurrenz unterliegen könnten. Da braucht es Selbstbewusstsein, Vertrauen, Standhaftigkeit. Und das bei zweien, die sich gerade einmal fünf Stunden live kennen? Da helfen die paar internationalen und interkontinentalen (manchmal sind's eben auch mehr als 1.193 Kilometer) Telefonate auch nicht weiter. Also nicht verliebt. Obwohl Annemie immer Recht hat.

Trotzdem ist irgendwie der Wurm drin. Plötzlich platzen Dates, die mich eigentlich meiner unverliebten Unabhängigkeit versichern sollten. Die Herren verschwören sich erfolgreich: Handy vergessen. Adresse vergessen. Date vergessen. Mich vergessen? Das waren vier, die erektionale Dysfunktion nicht mitgerechnet.

Einer vergisst nichts. Online-Bekanntschaft, noch vor dem Nicht-Verliebtsein. Kerniges Kerlchen, zunächst noch neun, inzwischen nur acht Jahre älter. Er reizt mich nicht nur körper-, sondern auch textlich. Sucht was Anständiges zum Mutter-Vorführen und Dreckig-darüber-Grinsen, was mann vor dem Besuch noch im Linnen miteinander angestellt hat. Er hat meine Wünsche aufgeschrieben und damit Chancen.

Er mag Dominosteine, zwinkert: "Dabei wird' ich schwach." Ich fahre in den Verbrauchermarkt und bin überrascht, dass es auch dort nur drei Hersteller für die Hüftgoldwürfel gibt. Von jedem eins. Vorfreude aufs Schwachwerden lässt meine Textbeiträge brillanter werden. Seine werden kürzer. Zielorientiert. Begrenzt aufs Körperliche? Ich halte mich ständig an den anständig unanständigen Satz.

Er simst am Nachmittag, begehrt einen Merlot: Also doch nicht gleich in die Waagerechte, das machte böse Flecken. Beim Discounter gibt's noch eine Sorte Dominos. Ich suche ihn heim und erwarte nichts. Die Klingel "ist kaputt", damit er seinen Nachnamen nicht sagen muss. Ich rufe an, er summt. Halbe Treppe rauf, ich schaue aufs Türschild und trete in den Flur.

Keine Umarmung, ich habe die Hände voll und er wahrt Distanz. Der Wein – "danke". Die Würfel – "du bist verrückt." Aha. "Das war doch nicht ernst gemeint." Das ist Romantik, Tumbtauber. "Die kann ich unmöglich essen." Freut mich, dass du dich freust.

Platznehmen soll ich, damit ich nicht mit in die Küche komme. Sein Umzug naht, die Kartons sind ihm peinlich. Gut, dass wir uns nicht bei mir treffen – ich ziehe mit mehr Unordnung weniger um. Statt der Kisten bemerke ich für mich, dass er den Wein nicht atmen lässt und beim Anstoßen nicht äugt.

Immerhin kann er Gedanken lesen und entschuldigt sich, dass er Gläser beschädige, wenn er sie beim Toast nicht im Auge behält. Den Satz mit "sieben Jahre schlechter Sex" kann er nicht lassen. Damit qualifiziert er sich für meinen bis dahin verbissenen: "Und wir haben was zu verlieren...!" Zur Strafe bleibt der Fernseher an, "Verstehen Sie Spaß?". Ich bin willkommen.

Natürlich geht mann in so einem Fall. Bis zu diesem Moment sogar mehrmals. Deshalb schlägt er sein Bein über meins, "danach ist mir jetzt". Ist er unsicher und süß? Muss ich nur mehr Verständnis für ehemals verheiratete Kindsväter entwickeln? Vielleicht weiß Frank Elstner Antwort.

Amateure erzählen Witze und sind im Fernsehen. Wir sind uns immerhin einig, dass wir nicht über jeden lachen müssen. Ich erwische mit einem leichten Streicheln einen Großteil seiner erogenen Zonen. Das lässt hoffen für den unanständigen Teil.

Punktabzug für ganze Sätze im Vorspiel: "So ausgiebig hat sich schon lange keiner mehr um mich gekümmert." Mein Mitleid: "Vielleicht hast du einfach nicht ausreichend Sex...?" Soviel können wir nicht aufholen, aber für eine solide Nummer sind wir gut.

"Wie lange fährst du nach Hause?" Keine Nacht zum Übernachten. Und gen Ende sagt der frischgevögelte Mann, der sich vor einer Stunde noch seines Charmes und seiner Kommunikationsfähigkeit brüstete, tatsächlich: "Du hast mir Spaß gemacht."

Da bin ich schlagartig verliebter als vorher.

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